Wärmepumpen sind der Biotreppe überlegen

Das neue Gebäudemodernisierungsgesetz, vorher Gebäudeenergiegesetz, wurde am 10. Juli vom Bundestag verabschiedet. Es sieht vor, dass für den Betrieb neuer Heizungen nicht mehr 65 Prozent erneuerbare Energien erforderlich sind. Hausbesitzer dürfen weiter Gas- oder Ölheizungen einbauen und über die sogenannte Biotreppe auf erneuerbare Brennstoffe umsteigen.

Die Novelle hebt außerdem die Verzahnung mit der kommunalen Wärmewende auf, belastet Vermieter mit einem Teil der Brennstoffkosten und verursacht zusätzliche Bürokratie für die Prüfung und Abrechnung von Gaslieferverträgen. Auch für das Erreichen der Klimaziele bis 2045 werten viele Experten die neuen Regeln als einen Rückschritt. Es es ist fraglich, ob ausreichend Biogas oder -öl produziert oder beschafft werden kann.

Dennoch könnten Käufer geneigt sein, sich für die günstigere fossile Heizung zu entscheiden, wenn der Einbau einer Wärmepumpe ihnen hohe Umrüstungskosten verursacht, die Regierung einen Weg ohne diese Investition öffnet und sie gleichzeitig, wie geschehen, die Fördersätze für den Umstieg senkt.

Warum sich insbesondere Betreiber von Photovoltaik­anlagen und Batteriespeichern davon nicht verlocken lassen sollten, wollen wir mit einer Modellrechnung verdeutlichen. Dafür modellieren wir zunächst die Kosten für den Betrieb einer Gasheizung in den nächsten 19 Jahren mit der eingebauten Biotreppe. Dieser Betrag stellt die Obergrenze dar, den die Wärmepumpe unterbieten muss, um die Mehrkosten ihrer Anschaffung zu refinanzieren. Eigentümer hätten dann dieselben Kosten oder könnten sogar sparen.

Doppeltes Preisrisiko für Erd- und Biogas

Biogas ist schon heute auf dem Markt für Privatkunden verfügbar, sowohl als zehnprozentige Beimischung oder als 100-prozentiges Biogas. Da die Verwendung von Biogas noch freiwillig und von der Zahlungsbereitschaft der Kunden abhängig ist, sind viele Tarife nur moderat teurer als die fossile Alternative. Bei einem verpflichtenden Bezug mit begrenzter Verfügbarkeit kann der Biogaspreis künftig aber unabhängig vom Weltmarktpreis deutlich steigen.

Grafik 1 zeigt den geplanten schrittweisen Wechsel von fossilem Erdgas zu erneuerbaren Brennstoffen bis 2040. Ob ab 2045 vollständig auf Biogas umgestellt werden muss, geht aus dem Gesetz nicht eindeutig hervor, es ist aber aufgrund der Klimaziele anzunehmen. Außerdem sollen die Gasversorger in einem weiteren Gesetz verpflichtet werden, ab 2045 nur noch erneuerbare Brennstoffe anzubieten. Für den Wechsel in Gastarife mit passenden Biogasanteilen sind die Eigentümer der neu eingebauten Heizungen zuständig. Bei Nichteinhaltung kann das mit einer Geldbuße bis 5.000 Euro bestraft werden.

Der Gaspreis setzt sich aus verschiedenen Preiskomponenten zusammen, die wir jeweils einzeln betrachten. Der Bundesverband der deutschen Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) beziffert den Erdgaspreis für Haushalte mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden in neuen Tarifen im Mai auf 12,3 Cent pro Kilowattstunde, wobei auch Grundpreis und Mehrwertsteuer enthalten sind. Der Anteil für Beschaffung und Vertrieb war zwar in den letzten drei Jahren langsam gesunken, aber zuletzt wieder leicht angestiegen. Wir starten mit 5,49 Cent pro Kilowattstunde, was dem vom BDEW ermittelten durchschnittlichen Beschaffungspreis für das erste Quartal 2026 entspricht. Von dort steigt der Gaspreis um zwei Prozent jährlich bis 2031 auf sechs Cent und bleibt dann auf diesem Niveau. Beim Biogas rechnen wir 20 Prozent höheren Beschaffungskosten und beginnen 2029 mit sieben Cent pro Kilowattstunde. Von dort steigt der Preis moderat um drei Prozent pro Jahr.

Hinzu kommen der CO2-Preis, heute 1,14 Cent pro Kilowattstunde, der sich in der Projektion auf 2,28 Cent verdoppelt, die Netzentgelte, die sich hier entlang der Inflationsrate um zwei Prozent pro Jahr verteuern, die Konzessionsabgabe und Erdgassteuer, die gleich bleiben sowie die Mehrwertsteuer auf den Gesamtpreis.

Der CO2-Preis fällt in unserer Rechnung nur auf den fossilen Erdgaspreis an. Das ist in der Realität aber kein Automatismus, da biogene Brennstoffe nur dann mit einem Emissionsfaktor von null angesetzt werden können, wenn sie die Nachhaltigkeitsanforderungen des Brennstoffemissionshandelsgesetzes erfüllen. Wesentliche Anforderungen seien hierbei der Nachhaltigkeitsnachweis, die Einhaltung der RED-II-/RED-III-Kriterien, der Nachweis der Treibhausgasminderung, ein Massenbilanzsystem sowie die Sicherstellung, dass keine Doppelvermarktung stattfindet und eine ordnungsgemäße Zertifizierung erfolgt, erläutert Adrian Röhrig, Sprecher des BDEW. Bei vielen kleinen Gasanbietern könnte somit der CO2-Aufschlag für Händler günstiger sein als der Zertifizierungsaufwand.

Energieexperten warnen auch für Gasnetzentgelte vor einem starken Anstieg, wenn immer mehr Kunden ihren Anschluss kündigen und die Netzkosten auf weniger Schultern verteilt werden. Insgesamt kommen wir auf Kosten für 20.000 Kilowattstunden Gas von 2.327 Euro pro Jahr heute und einen nominalen Anstieg auf 3.673 Euro bis 2045. Könnte man für dieses Geld eine Wärmepumpe betreiben und abbezahlen?

Ersparnis: 900 Euro pro Jahr und steigend

Bei einer Wärmepumpe im Bestandsgebäude können wir mit einer Jahresarbeitszahl von 3,4 rechnen. Das hat die Studie „Wärmepumpen-Qualitätssicherung im Bestand“ vom Frauenhofer ISE ergeben, die im November abgeschlossen wurde. Anstelle der 20.000 Kilowattstunden müssen wir somit nur 5.582 Kilowattstunden Strom beschaffen. Für das Budget von 2.327 Euro könnten wir uns heute Strom zu 40 Cent leisten.

Glücklicherweise können Neukunden Verivox zufolge im Mai Verträge für durchschnittlich 24,56 Cent pro Kilowattstunde inklusive Wechselbonus abschließen. Wärmepumpentarife sind noch mal günstiger und liegen laut dem Vergleichsportal etwa 20 Prozent unter den Haushaltstarifen. Sie unterbieten sogar dynamische Tarife, die durchschnittlich 25 Cent pro Kilowattstunde kosten. Für das Beispiel wählen wir einen fixen Wärmepumpentarif, der ohne Bonus 23,5 Cent pro Kilowattstunde kostet. Damit sind bereits ohne Photovoltaik erhebliche Einsparungen von 945 Euro pro Jahr möglich.

Setzen wir den solaren Stromanteil für die Wärmepumpe auf 40 Prozent bei einer anteiligen Nutzung eines kleineren Speichers und kalkulieren mit zwölf Cent Stromgestehungs- und Speicherkosten, steigen die Einsparungen sogar auf 1.215 Euro im ersten Jahr. Da die Selbstversorgungskosten langfristig gleichbleiben, wäre ein künftiger Strompreisanstieg weniger gravierend. Doch auch diesen müssen wir einkalkulieren, denn der Strompreis wird aktuell noch immer vom Gaspreis beeinflusst.

Allerdings konnte Bruno Burger, der Gründer der Energy Charts, Anfang Mai anhand einer Grenzkostenberechnung zeigen, dass die Zeiten, in denen Gaskraftwerke den Börsenpreis setzen, bereits abnehmen. So sanken im März und April, die Börsenstrompreise, obwohl der Gaspreis stieg. Stromkunden sind somit heute schon weniger abhängig von politischen Spannungen als Gaskunden. Wir nehmen für die Prognose an, dass der Strompreis inklusive aller Abgaben bis 2045 auf 26,7 Cent pro Kilowattstunde ansteigt, wobei sich der Anteil für die Beschaffung auf acht Cent einpendelt.

Die Einsparungen gegenüber dem Gaspreis summieren sich über die Laufzeit auf 26.800 Euro. Mit dem 40-prozentigen Eigenstromanteil sind es sogar 33.000 Euro, was ausreichen sollte, um die Differenz der Wärmepumpe zur Gasheizung auch ganz ohne Fördermittel zu refinanzieren. Wer bereits eine Photovoltaikanlage besitzt, für den ist der Umstieg auf eine Wärmepumpe besonders einfach, denn ein höherer Solarstromanteil verbessert die Wirtschaftlichkeit und sichert Betreiber langfristig gegen Risiken ab. Der Weg über die Biotreppe wirkt dagegen preislich unsicher, regulatorisch unausgegoren und ist für das Klima schädlich.

Grafik 2: Die Kosten für den Betrieb einer Gasheizung mit 20.000 Kilowattstunden pro Jahr steigen stärker als die Ausgaben für den Betrieb einer Wärmepumpe. Ursächlich sind steigende Kosten für Biogas, CO2-Zertifikate und Netzentgelte. Zwar steigt auch der Wärmepumpenstrompreis von 23,5 auf 26,7 Cent pro Kilowattstunde, doch durch den Solarstrom ist der Netzstromanteil geringer, so dass die jährlichen Kosten nur um 100 Euro bis 2045 steigen. | Grafik: pv magazine/Harald Schütt

Hinweis: Diesen Artikel haben wir erstmals am 23. Juli 2026 veröffentlicht.

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